SZ.de: Ganz leise, ganz grün

Die Autobranche verändert sich rasant, das zeigt auch der Autosalon in Genf. Daimler und Volkswagen verzichten auf große Shows. Und Wolfgang Porsche warnt die Belegschaft.

Was Herbert Diess da arrangiert hat, ist doch ein kleiner Coup. Ein paar Minuten hat der Volkswagen-Chef an diesem Abend frei gesprochen von den Herausforderungen der Automobilbranche, bevor hier auf der Genfer Messe der Autosalon beginnt. Davon, dass sich auch sein Konzern dazu bekenne, den Temperaturanstieg der Welt auf höchstens zwei Grad Celsius zu halten. Was man eben so sagt, wenn zunehmend schärfere Abgasregeln die Abkehr vom Verbrennungsmotor fordern. Hinter ihm steht ein knuffiger Strandbuggy. Die flexible Plattform unter der Haube, das ist Diess' Botschaft, können auch andere Hersteller nutzen - das schafft zwar Konkurrenz, spart aber Kosten.

Und dann holt er seinen ersten Partner auf die Bühne, und das ist eben der kleine Coup: Günther Schuh. Dieser Professor aus Aachen, der einer der größten Kritiker der Großkonzerne ist und der mit seiner Firma e.GO Mobile AG die kleinen Elektrolieferwagen für die Post baut und auch kleine Stadtflitzer - alles zu verhältnismäßig niedrigen Kosten. Der mächtige VW-Chef und der Revolutionär von der Hochschule, das ist das Gegenprogramm zu bisherigen Autoshows, wo es um PS ging, untermalt von lauter Musik. Der bei VW beliebte Schlagersänger Leslie Mandoki, er steht in diesem Jahr recht verloren da; der Bart ist zwar immer noch gewaltig, seine Dienste sind aber nicht mehr so gefragt.

Stattdessen steht da eben der schlaksige Wissenschaftler Schuh, der selbstbewusst erklärt, er habe Ahnung von guter Produktion und dann über den Buggy-Kotflügel streichelt. Er wolle, dass Elektromobilität für alle finanzierbar werde, sagt er. Und dass er sich deshalb gefreut habe, dass Diess ihn angerufen habe vor einem Jahr und einen Austausch vorgeschlagen habe: VW-Teile bekommt e.GO Mobile AG nun.

 

 

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